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Bremen ändert das Rauchverbot, aber nicht dort, wo es am meisten fehlt

Die neue Novelle bringt echte Verbesserungen, schließt aber die Einraumkneipe-Ausnahme nicht. Wer in einer Bremer Raucherkneipe arbeitet, ist weiter ohne Schutz.

6 Min. Lesezeit
1.7.2026
Inkrafttreten der 5. Novelle
31,9 %
Raucherquote Bremen (Platz 2 bundesweit)
6 %
Bremer Bars waren 2012 rauchfrei

Was die Novelle ändert

Der Koalitionsentwurf aus dem Frühjahr 2026 bringt mehrere konkrete Neuerungen. Rauchen ist ab Juli 2026 verboten:

  • an überdachten Bushaltestellen und Straßenbahnhaltestellen
  • in der Außengastronomie von Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und vergleichbaren Gesundheitseinrichtungen
  • in Spielhallen und Wettbüros
  • in Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche

Außerdem werden E-Zigaretten und Cannabis-Produkte in alle bestehenden und neuen Verbote eingeschlossen. Das ist eine überfällige Angleichung an die Realität, da beide Produkte in der Öffentlichkeit längst genauso präsent sind wie Tabak.

Was die Novelle nicht ändert

Die Einraumkneipe unter 75 Quadratmetern darf weiter Raucherlokal sein. Diese Ausnahme stammt aus der Gesetzesanpassung von 2009 und geht auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurück. Sie war nie als Dauerlösung gedacht, sie ist aber nie angetastet worden.

Auch Großveranstaltungen bleiben ausgenommen: Weserstadion, Breminale und Freimarkt sind weiter rauchfrei-freie Zonen für Nichtraucher.

Was Bremer Politiker dazu sagen

Ralph Saxe (Grüne) sagte bei der Beratung im Frühjahr 2026: "Wir machen Fortschritte, aber erreichen noch nicht Bayern oder NRW." Nelson Janßen (Linke) nannte das Ergebnis einen "Kompromiss, mit dem wir sehr gut leben können." Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) sprach von einem "wichtigen ersten Schritt", der aber "heute zu kurz greife."

Dass kein Koalitionspartner die Einraumkneipe zum Thema gemacht hat, ist das eigentliche Ergebnis dieser Novelle. Der politische Handlungsdruck fehlte.

Wo Bremen heute steht

Bremen hat mit 31,9 Prozent die zweithöchste Raucherquote aller Bundesländer. Das Heidelberger Krebsforschungszentrum (DKFZ) stufte Bremen 2012 unter 12 deutschen Landeshauptstädten auf den letzten Platz beim Nichtraucherschutz ein. Martina Pötschke-Langer vom DKFZ formulierte es damals so: "In Bremen muss man die Gaststätten schon mit der Lupe suchen, wenn man nicht vollgequalmt werden will."

Damals waren nur 6 Prozent der Bremer Bars und Kneipen rauchfrei und nur 37 Prozent aller Gaststätten hielten das Gesetz überhaupt ein. Aktuelle Zahlen für 2025 oder 2026 liegen nicht vor, aber die strukturelle Ursache, die 75-m²-Ausnahme, hat sich seitdem nicht verändert.

Warum gerade jetzt die richtige Zeit ist

Die Novelle 2026 zeigt, dass die Koalition bereit ist, das Gesetz anzufassen. Sie zeigt auch, wo die Schmerzgrenze liegt: Bushaltestellen ja, Einraumkneipe nein. Das ist eine politische Entscheidung, keine rechtliche Notwendigkeit. Bayern und NRW haben die Ausnahme gestrichen, beide Verbote haben den Rechtsweg überlebt.

Genau hier setzt die Volksinitiative an. 5.000 Unterschriften reichen, um die Bürgerschaft zu zwingen, das Thema neu zu verhandeln. Die Novelle 2026 ist ein guter Zeitpunkt, um zu fragen: Was fehlt noch?

Quellen

  1. Buten un Binnen, Wen Bremens verschärftes Rauchverbot trifft, 3. Februar 2026
  2. Weser-Kurier, Mehr Rauchverbote in der Bremer Gastronomie?, 3. Februar 2026
  3. Weser-Kurier, Mehr Rauchverbote im Freien? Diese Regeln gelten in Bremen, 4. Oktober 2024
  4. Weser-Kurier, Bremen belegt letzten Platz beim Nichtraucherschutz, 2. Juli 2012
  5. Ärztezeitung, Rauchfreie Kneipen? In Bremen Fehlanzeige, 18. August 2012

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Ist das ein Verbot? Nein. Rauchen bleibt erlaubt, draußen und zu Hause. Wir wollen nur, dass Beschäftigte nicht unfreiwillig mitrauchen müssen.

Stirbt die Kneipenkultur? In Bayern und NRW nicht — beide rauchfrei seit 2010 bzw. 2013, kein Kneipensterben.