Was du hörst, wenn du davon erzählst, und was du antworten kannst
Wer für rauchfreie Gastronomie eintritt, hört dieselben sechs Einwände. Hier sind sie in einer Reihe, mit Antworten, die ohne Moral auskommen und sich auf Daten stützen.
„Das ist doch Bevormundung.“
Es geht nicht darum, was Erwachsene zuhause oder draußen tun. Es geht um den Arbeitsplatz von rund 30.000 Beschäftigten in der Bremer Gastronomie. In jeder anderen Branche, vom Büro bis zur Werkstatt, ist Rauchen am Arbeitsplatz seit Jahren verboten. Die Einraumkneipe ist die letzte verbliebene Ausnahme. Wir holen den Schutz nach, der überall sonst selbstverständlich ist.
„Dann gehen die Kneipen kaputt.“
Diese Sorge ist nachvollziehbar, empirisch aber nicht haltbar. In Bayern wuchs der Gastgewerbeumsatz im ersten Jahr nach dem Volksentscheid um 4,6 Prozent nominal; in der Getränkegastronomie legte Bayern zu, während Bundesländer ohne striktes Rauchverbot im gleichen Zeitraum verloren (Bayerisches Landesamt für Statistik). Eine systematische Meta-Analyse von 2014, die 39 internationale Studien auswertete, fand insgesamt keinen substanziellen negativen Effekt auf Umsätze oder Beschäftigung. Auch in Irland normalisierten sich die Umsätze nach dem Rauchverbot 2004 binnen weniger Quartale wieder. Die Zahlen im Detail.
„Raucher haben doch auch Rechte.“
Niemand verbietet das Rauchen. Es geht um Rauchen in Innenräumen, in denen andere Menschen acht Stunden lang arbeiten. Wer raucht, kann das weiterhin tun, draußen, zuhause, im eigenen Auto. Die Initiative schützt die Person hinter dem Tresen, nicht die Person mit der Zigarette.
„Im Sommer kann man eh draußen sitzen.“
Für Gäste stimmt das, für Beschäftigte nicht. Wer einen Kneipenjob hat, arbeitet drinnen. Im Januar wie im Juli. Drei bis vier Stunden in einer verrauchten Kneipe entsprechen laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) dem aktiven Rauchen von vier bis neun Zigaretten. Auf eine volle Schicht hochgerechnet liegt die Belastung entsprechend höher. Messungen zeigen außerdem, dass nichtrauchende Servicekräfte in stark verqualmten Betrieben ähnliche Nikotinwerte aufweisen wie ihre rauchenden Kolleg:innen.
„Das hat in Bayern auch ewig gedauert, in Bremen wird das nichts.“
Bayern startete 2007 mit einer kleinen Initiative, drei Jahre später stand der Volksentscheid mit 61 Prozent Zustimmung. In Bremen brauchen wir 5.000 gültige Unterschriften, damit die Bürgerschaft sich befassen muss. Das ist ein Prozent der Wahlberechtigten, eine realistische Größenordnung für eine Hansestadt mit kurzen Wegen. So lief es in Bayern.
„Ich rauche selbst, soll ich jetzt unterschreiben?“
Ja. In Bayern haben damals viele Raucher mit unterschrieben. Das Gesetz schränkt sie nicht stärker ein, als sie ohnehin schon eingeschränkt sind. Es schließt nur die Lücke, in der bisher jemand anderes ihrem Rauch ausgesetzt war, ohne Wahl. Eine Unterschrift gegen Passivrauch am Arbeitsplatz ist keine Unterschrift gegen Raucher.
Wenn dir nichts mehr einfällt
Du musst keine Diskussion gewinnen. Es reicht, wenn du sachlich bleibst und auf den Kern zurückkommst: Es geht um Beschäftigte, die sich ihren Arbeitsplatz nicht aussuchen können. Wer das verstanden hat, unterschreibt meistens, oder lässt es. Beides ist okay.
Quellen
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Pressemitteilung 2007: Gesundheitsrisiko durch Passivrauchen für Beschäftigte in der Gastronomie
- DKFZ, Gesundheitsrisiko Passivrauchen (Überblicksseite)
- Wikipedia, Passivrauchen — Vergleichszahl 3–4 Stunden verrauchter Raum entspricht 4–9 Zigaretten
- Bayerisches Landesamt für Statistik, Umsätze des bayerischen Gastgewerbes (2011)
- Wikipedia, Volksentscheid „Nichtraucherschutz“ in Bayern 2010
- Cornelsen, McCafferty & Sharpe 2014, Systematic Review und Meta-Analyse zum wirtschaftlichen Effekt von Rauchverboten in Gastronomie (PubMed)
- Scollo et al. 2003, Review of the Quality of Studies on the Economic Effects of Smoke-Free Policies (Tobacco Control, PMC)
- Goodman et al. 2007, Effects of the Irish Smoking Ban on Respiratory Health of Bar Workers and Air Quality in Dublin Pubs (AJRCCM)